Geschäftserfolg

Gegenüber dem Vorjahr nahm der aggregierte Geschäftserfolg der Banken in der Schweiz im Jahr 2020 um rund 5,8 Prozent zu. Der aggre­gierte Jahresgewinn lag 2020 deutlich über dem Zehnjahresdurch­schnitt.

Mit einem Anstieg von 5,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr summiert sich der Geschäftserfolg aller Banken der Schweiz auf CHF 69,9 Mrd. Diese Entwicklung ist wesentlich auf eine starke Zunahme beim Erfolg aus dem Handelsgeschäft von CHF 10,9 Mrd. zurückzuführen (+46,7%). Aufgrund des anhaltenden Niedrigzins­umfelds und der Zunahme der Markt­aktivität von Nichtbanken verzeichnet hingegen der Erfolg aus Zinsgeschäften eine leichte Abnahme von 0,9 Prozent. Vor allem die Grossbanken konnten ihren Anteil am aggregierten Geschäftserfolg mit einer Zunahme von 3,0 Prozent weiter ausbauen. Auf der anderen Seite des Spektrums schrumpft der Anteil der Auslandbanken auf neu noch einen Anteil von 9,8 Prozent.

Entwicklungen im Jahr 2021

Im Zeichen der wirtschaftlichen Erholung: erstes Halbjahr 2021

Entwicklungen im Jahr 2020

Geschäftserfolg nach Geschäftsbereichen

Der aggregierte Geschäftserfolg setzt sich aus den Erfolgen aus dem Zins­geschäft, Kommissions- und Dienst­leistungsgeschäft, Handels­­­­geschäft sowie dem übrigen ordentlichen Erfolg zusammen. Die Zunahme des Geschäftserfolgs um 5,8 Prozent im Jahr 2020 ist auf die starke Zunahme des Erfolgs aus Handels­geschäften zurückzuführen.

Der Erfolg aus dem Zinsgeschäft trägt mit 33,8 Prozent weiterhin den grössten Teil zum Geschäftserfolg bei. Dies, obwohl es 2020 zu einem leichten Rückgang von CHF 23,8 Mrd. auf CHF 23,6 Mrd. (–0.9%) kam und das Niedrigzinsumfeld das Zinsdiffe­renzen­geschäft der Banken weiterhin erschwert. Hinter der Abnahme des Zins­erfolgs liegt eine Abnahme des Zins­ertrags um CHF 13,7 Mrd. (–27%) und eine fast ebenso hohe Abnahme des Zinsaufwandes um CHF 13,5 Mrd. (–49%). Darunter fallen beispiels­weise auch die Ausgaben für Negativzinsen auf Giro­­bestände bei der SNB. Im Vergleich zum Vorjahr haben die entsprechenden Erträge der SNB um rund CHF 561 Mio. auf CHF 1,4 Mrd. abge­nommen, wobei der Gross­teil davon von den Banken geleistet wird. Ein Grund für die starke Abnahme dieser Erträge der SNB ist die Erhöhung des Freibetragsfaktors von 25 auf 30 im April 2020. Mit dieser Massnahme wollte die SNB während der COVID-19-Pandemie die Negativzins­belastung für die Banken reduzieren und ihnen dadurch mehr Spiel­raum gewähren.

Der Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft stellt mit 32,9 Prozent die zweitwichtigste Komponente des Gesamterfolgs dar. Im Gegensatz zum Zinsgeschäft konnte das Kommissions- und Dienst­leistungsgeschäft eine Zunahme von rund 3 Prozent verzeichnen. Diese Ent­wicklung ist vor allem auf die Kommissions­erträge aus dem Wert­schriften- und Anlagengeschäft zurück­zuführen, die 2020 um CHF 1,1 Mrd. höher lagen als im Vorjahr.

Haupttreiber der Entwicklung des Geschäfts­erfolgs ist die Zunahme beim Erfolg im Handels­geschäft. Zum ersten Mal seit 2010 erwirtschafteten die Banken in der Schweiz im Handels­geschäft mehr als CHF 10 Mrd. Dies entspricht einer Zunahme von knapp 50 Prozent gegen­über dem Vorjahr. Ein Grund für diese Zunahme ist die grosse Volatilität der Märkte im Jahr 2020, insbesondere gegenüber 2019. Diese ist in der Regel mit einer hohen Handelsaktivität der Banken, sowohl im Auftrag ihrer Kunden wie auch im Eigenhandel, verbunden.

Abbildung 6

Geschäftserfolg nach Bankengruppen

Abbildung 7

Während der Anteil der Ausland­banken weiter abgenommen hat, bleiben die Anteile der anderen Bankengruppen relativ stabil – mit einer Verschiebung zugunsten der Grossbanken, die unter anderem auf deren grösseres Handelsgeschäft zurückzuführen ist.

Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen alle Bankengruppen, abgesehen von den Gross­­banken, rückläufige Erfolgsanteile. Die Rückgänge bewegen sich zwischen 0,1 Prozentpunkten bei den Raiffeisen­banken bis hin zu 0,9 Prozent­punkten bei den Auslandbanken. Die Auslandbanken setzen somit ihren Abwärtstrend fort und weisen mittlerweile einen Erfolgsanteil von unter 10 Prozent auf. Im Gegensatz dazu konnten die Grossbanken ihren Anteil im Vergleich zum Vorjahr von 50,1 Prozent auf 53,1 Prozent erhöhen (nicht abgebildet). Diese Zunahme ist vor allem auf das im Jahr 2020 erfolgreiche Handelsgeschäft zurückzuführen, das bei den Gross­banken im Vergleich zu den anderen Banken­gruppen eine bedeutendere Erfolgs­komponente ist.

Seit dem Jahr 2010 stieg der Anteil der «Übrigen Banken» am Gesamterfolg von 11,5 Prozent auf 17,4 Prozent an. Auch die Grossbanken konnten ihren Anteil am Gesamterfolg in diesem Zeitraum von 47,2 Prozent auf 53,1 Prozent ausbauen (nicht abgebildet). Die Anteile der Privat­bankiers und Auslandbanken sanken im selben Zeitraum von 4,0 Prozent auf 0,4 Prozent und von 17,7 Prozent auf 9,8 Prozent. Der Rückgang bei den Ausland­banken ist zum einen auf die Finanz­krise zurückzuführen, in deren Nachgang viele Niederlassungen in der Schweiz geschlossen wurden. Zusätzlich haben einige Banken in den letzten Jahren im Rahmen von Umstrukturierungen ihre internationalen Aktivitäten auf ausge­wählte Geschäftsbereiche reduziert, was teilweise zu einer Verlagerung innerhalb des Konzerns oder zum Verkauf von Geschäftsbereichen führte.

Jahresgewinn und Steuern

Aufgrund des Anstiegs des aggre­gierten Geschäftserfolgs und einer leichten Abnahme des Geschäfts­aufwands nahm der Brutto­gewinn 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 18,3 Prozent zu. Nach Wertberich­tigungen und Steuern resultiert für die Banken der Schweiz ein Jahres­gewinn von rund CHF 13,7 Mrd.

Der Geschäftsaufwand, welcher sich aus dem Personalaufwand und dem Sach­aufwand zusammensetzt, konnte im Vergleich zum Vorjahr leicht reduziert werden (–1,0%), während der aggregierte Geschäftserfolg zunahm (+3,8%). Der Brutto­gewinn liegt entsprechend über dem Vorjahres­wert (+CHF 4,2 Mrd.). Nach Abzug von Abschreibungen, Wertberichti­gungen sowie Rückstellungen vom Brutto­gewinn verbleibt den Schweizer Banken ein Geschäftserfolg von CHF 14,5 Mrd. Der resultierende Jahres­gewinn von CHF 13,7 Mrd. bewegt sich auf dem Niveau der Vorjahre. Die Banken entrichteten 2020 mit CHF 1,9 Mrd. etwas weniger Steuern als noch im Vorjahr (2019: CHF 2,3 Mrd.).

Abbildung 8

Im Zeichen der wirtschaftlichen Erholung: erstes Halbjahr 2021

Nach einem durch die COVID-19-Pandemie geprägten Jahr 2020, steht das erste Halbjahr 2021 im Zeichen der wirtschaftlichen Erholung. Die SNB hält weiterhin an ihrer expansiven Geldpolitik fest. Das SECO prognostiziert für das Jahr 2021 ein BIP Wachstum von 3,6 Prozent.

Nachdem zu Beginn des Jahres die Mass­nahmen gegen die Ausbreitung von COVID-19 nochmals verschärft wurden, kam es im Verlauf der ersten Jahreshälfte zu mehreren Lockerungs­­schritten, welche sich positiv auf die wirtschaftliche Ent­wicklung auswirkten: Der internationale Währungsfonds rechnet mit einem Wachstum der Weltwirtschaft um 6,0 Prozent. Gemäss dem SECO ging das BIP der Schweiz im ersten Quartal 2021 zwar um insgesamt 0,5 Prozent zurück, trotzdem prognostiziert das SECO aufgrund der Aufholbewegung für 2021 insgesamt ein BIP-Wachstum von 3,6 Prozent. Auch wenn sich die Pandemielage in den letzten Monaten entspannt hat, führt die SNB ihre expansive Geldpolitik weiter fort. Der SNB-Leitzins sowie der Zins auf Sichtguthaben bleibt auf –0,75 Prozent. Bis Ende Juni hat die SNB insgesamt CHF 664 Mio. an Negativzinsen eingenommen. Die Belastung für die Banken ist hoch. Ebenso blieben die zu Beginn der COVID-19-Pandemie eingeführten erleichterten Finanzierungs­bedingungen in Kraft. Zudem sind in der ersten Jahreshälfte gemäss SNB die Hypothekar­kredite und Wohnliegen­schafts­preise weiter stark angestiegen. Die SNB prüft deshalb regel­mässig, ob der antizyklische Kapitalpuffer reaktiviert werden muss. Im Juni 2021 entschied auch das Federal Reserve (Fed), die Zinsen in der Bandbreite von 0 bis 0,25 Prozent zu belassen und weiterhin mit monatlichen Anleihenkäufen in der Höhe von USD 120 Milliarden auf dem Markt zu intervenieren. Das Fed bestätigt somit ihre sehr lockere Geldpolitik. Sie interpretiert die an­ziehende Inflation als eine vorüber­gehende Erscheinung und rechnet mit einer länger­fristigen Inflation von rund 2 Prozent. Eine Anhebung der Zinsen sei erst ab 2023 zu erwarten. Die Europäische Zentralbank (EZB) lockert ihren Umgang mit der Inflation, indem sie zwar mittelfristig am 2-Prozent-Ziel festhält, aber kurzfristig auch eine Inflationsrate über 2 Prozent toleriert. Mit Inflationserwartungen von knapp unter 2 Prozent für 2021 und ca. 1,5 Prozent für die folgenden Jahre, hält die Europäische Zentralbank ebenfalls an ihren Leitzinsen von 0 Prozent fest. Zusätzlich will die EZB den Umfang des Pandemie-Notfallankaufprogramms von 500 auf 1’850 Milliarden Euro erhöhen und die Dauer des Programms verlängern.

Im ersten Halbjahr 2021 kam es zu einigen wichtigen politischen Abstimmungen in der Schweiz. Das COVID-Gesetz, das zu einer grösseren Flexibilität des Bundes in Pandemiezeiten führt, wurde angenommen und das CO2-Gesetz abgelehnt.1 Zu einer für die Wirtschaft wichtigen Entwicklung kam es bezüglich des Institutionellen Rahmenabkommens (InstA) zwischen der Schweiz und der EU.

Am 26. Mai entschied der Bundesrat, dass die Bedingungen für einen Abschluss des InstA nicht gegeben seien.2 Die Ver­handlungen über das InstA sind somit beendet. Trotzdem will der Bundesrat die bewährte bilaterale Zusammenarbeit mit der EU weiterführen. Das Rahmen­abkommen hätte die Rechtssicherheit gestärkt und den Marktzugang für die Banken in der Schweiz verbessert.

Die positive Entwicklung an der Börse im Jahr 2020 hat sich auch im ersten Halbjahr 2021 fortgesetzt. Eine wichtige Rolle dürfte hier auch die expansive Geldpolitik der Zentral­banken spielen. Der SMI hat zwischen Januar und Juni 2021 um rund 12 Prozent zugelegt und erreichte einen Rekordwert von 12’000 Punkten. Der Index befindet sich damit knapp 2000 Index­punkte über dem Vorjahreswert. Sofern sich die Pandemielage nicht erneut deutlich verschlechtert, ist durch die Erholung der Wirtschaft für das Jahr 2021 ein weiteres Wachstum der Aktienmärkte zu erwarten, was sich positiv auf das Handels- und Kommissionsgeschäft der Banken aus­wirken dürfte.

Als eines der grössten Risiken für die konjunkturelle Entwicklung 2021 sieht das SECO ökonomische Zweitrundeneffekte der Krise wie Konkurse und Entlassungen in grosser Zahl. Ersteres stellt im Zusammen­hang mit Kreditausfällen auch für die Geschäftsentwicklung der Banken ein Risiko dar. Gemäss der Umfrage der SBVg bei ihren Mitgliedern dürfte die Beschäftigungs­lage im Bankensektor jedoch stabil bleiben.

Insbesondere nachdem die Zahl der Firmen- und Privatkonkurse 2020 um 6,6 Prozent tiefer lag als im Vorjahr3, ist nach Auslaufen der COVID-19-bedingten Unterstützungs­massnahmen mit einem gewissen Nachholeffekt zu rechnen. Entsprechend haben die Schweizer Banken bereits im ersten Halbjahr 2020 zusätzliche Rück­stellungen für Wert­berichtigungen gebildet.4 Zudem hat die SBVg Empfehlungen im Umgang mit Insolvenzrisiken von Unternehmen veröffentlicht.5

Aufgrund ihrer starken Kapitalisierung und ihres konsequenten Risikomanagements sind die Banken jedoch gut vorbereitet, um allfälligen Kreditausfällen vorzubeugen und diese gegebenenfalls zu absorbieren. Zusammen mit den positiven Konjunktur­prognosen für 2021 und 2022 ist insgesamt eine Steigerung des Geschäfts­erfolgs gegenüber dem Vorjahr zu erwarten. Insbesondere die Grossbanken sind jedoch mit Verlusten im Zusammen­hang mit einzelnen Geschäften kon­frontiert. Ausserdem drohen ihnen im Fall von ansteigenden Firmenkonkursen überdurchschnittlich hohe Kreditausfälle.