Executive Summary

Teil I: Der Schweizer Bankensektor

Der Schweizer Finanzplatz gehört zu den wettbewerbsfähigsten Finanzzentren und ist weltweit die Nummer 1 im grenz­über­schreitenden Wealth Management. Er bietet erstklassige Rahmenbedingungen für technologische Innovationen und ist international vorbildlich reguliert.

Wirtschaftliches Umfeld durch COVID-19-Pandemie geprägt – Bund, Kantone und Banken unterstützen Schweizer Wirtschaft

Die Schweiz hat die COVID-19-Pandemie aus wirtschaftlicher Sicht bisher gut bewältigt. Im internationalen Vergleich fiel der Rückgang der Wirtschaftsleistung 2020 moderat aus. Für das Jahr 2021 wird mit einem starken Wachstum gerechnet. Der Bund und die Kantone unterstützen die Schweizer Wirtschaft mit einem breiten Massnahmenpaket. Die Banken haben während der ersten Phase der Pandemie gemeinsam mit dem Bund mittels der COVID-19-Überbrückungskredite die rasche und unbürokratische Versorgung betroffener Unternehmen mit Liquidität sichergestellt.

Zentralbanken tätigen zur Stabilisierung der Märkte umfangreiche Anleihen- und Devisenkäufe

Die Schweizerische Nationalbank, die Federal Reserve (Fed) und die Europäische Zentralbank (EZB) haben zur Stabilisierung der Märkte und Unterstützung der Wirtschaft in der COVID-19-Pandemie umfangreiche Devisen- bzw. Anleihenkäufe getätigt. Trotz eines Anstiegs der Verbraucherpreise im ersten Halbjahr 2021 in der Eurozone und den USA wollen sowohl die EZB wie auch die Fed mittelfristig an einer expansiven Geldpolitik festhalten. In der Schweiz liegt die Inflationsprognose zwischen 0,5 und 1 Prozent, ein Ende der Negativzinspolitik ist nicht absehbar.

Privates Digitalgeld und digitales Zentralbankgeld weltweit im Fokus

Verschiedene Zentralbanken, Banken und Technologiefirmen arbeiten weltweit an digitalen Geldformen. Je nach Ausgestaltung kann Digitalgeld das Geschäftsmodell der Banken wie auch das Wirken der Zentralbanken fundamental verändern. Die SBVg hat mit ihrem Diskussionspapier einen wichtigen Diskurs über die Ausgestaltung und den Einsatz von Digitalgeld und dessen Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft angestossen.

Globale Zunahme der Staatsverschuldung erschwert Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik

Infolge der COVID-19-Pandemie hat die Staatsverschuldung auf hohem Niveau weiter zugenommen. Auch die Verschuldung der Haushalte und Unternehmen ist angestiegen. Die hohen Schuldenstände erschweren einen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik. Es besteht ein starker Anreiz für Zentralbanken, die niedrigen Zinsen beizubehalten und Inflationsrisiken weniger Gewicht beizumessen. Damit droht die Geldpolitik zunehmend zu einem fiskalpolitischen Instrument zu werden, und es ergeben sich vermehrt Bedenken bezüglich der Unabhängigkeit der Zentralbanken.

Kein institutionelles Rahmenabkommen zwischen der Schweiz und der EU

Der Bundesrat hat im Mai 2021 beschlossen, das institutionelle Rahmenabkommen mit der EU nicht zu unterzeichnen. Das grenzüber­schreitende Vermögensverwaltungsgeschäft mit Privatkunden aus der EU ist ein wichtiger Exportsektor der Schweiz. Auslandorientierte Banken sind auf einen praktikablen und nachhaltigen Marktzugang angewiesen. Eine Festigung des bilateralen Weges und zukunftsfähige Lösungen für dessen Weiterentwicklung sind zentral.

Fortschritte wurden demgegenüber bei der Neuregelung der Beziehung zwischen der Schweiz und dem Vereinigten Königreich (UK) erzielt. Die bisherigen Sondierungsgespräche sind positiv verlaufen. Bis Ende des Jahres sollen bei den einzelnen Themen konkrete Fortschritte erzielt werden. Das UK hat im Februar 2021 die Äquivalenz der Schweizer Börsenregulierung anerkannt, die Schweiz hat folglich die Börsenschutzmassnahmen gegenüber britischen Handelsplätzen deaktiviert.

Fortschritte bei der Abschaffung der Stempelsteuer und der Reform der Verrechnungssteuer

Die Stempelabgaben und die Verrechnungssteuer stellen für den Finanzplatz Schweiz einen bedeutenden Wettbewerbsnachteil dar. Der Bundesrat hat im April 2021 die Botschaft zur Reform der Verrechnungssteuer verabschiedet. Vorgesehen ist die ersatzlose Abschaffung der Verrechnungssteuer auf inländischen Zinsen. Der Ständerat unterstützt eine Motion des Nationalrates zur schrittweisen Abschaffung der Stempelsteuer. Beide Reformen dürften zu einer Belebung des Schweizer Kapitalmarktes führen.

Teil II: Konsolidierte Entwicklung der Banken

Die Geschäftslage der Banken in der Schweiz präsentiert sich 2020 als solide. Der aggregierte Geschäftserfolg konnte insbesondere dank des Erfolgs aus dem Handelsgeschäft gesteigert werden. Die Bilanzsummen sind gestiegen. Die Kreditversorgung durch die Banken konnte auch in der COVID-19-Pandemie jederzeit gewährleistet werden. Die Anzahl Beschäftigter im Bankensektor hat erstmals seit 2010 wieder leicht zugenommen.

Der Erfolg aus dem Handelsgeschäft prägt den aggregierten Geschäftserfolg

Nachdem im Vorjahr der Erfolg aus dem Handelsgeschäft stark zurückgegangen war, wuchs er im Jahr 2020 um 46,7 Prozent. In Kombination mit einer leichten Abnahme beim Zinsgeschäft und einer Zunahme im Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft resultierte für 2020 eine Zunahme des aggregierten Geschäftserfolges um 5,8 Prozent auf CHF 69,9 Mrd. Die leichte Abnahme im Zinsgeschäft ist wie in den Vorjahren dem Niedrigzinsumfeld zuzuschreiben. Die Ausweitung des Erfolgs aus dem Handelsgeschäft ist mit der höheren Volatilität der Märkte und der damit einhergehenden höheren Handelsaktivität der Kunden verbunden. Dies hat zusätzlich auch zu höheren Kommissions­erträgen aus dem Wertschriften- und Anlagegeschäft geführt. Durch die Erhöhung des Freibetrags durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) im April 2020 haben die Banken in der Schweiz 2020 weniger Negativzinsen als im Vorjahr an die SNB bezahlt. Insgesamt hat die SNB 2020 rund CHF 1,4 Mrd. an Negativzinsen eingenommen. Der Grossteil davon stammt von Banken, deren Ergebnisse dadurch weiterhin stark belastet werden.

Der Bruttogewinn aus der Geschäftstätigkeit der Banken nahm 2020 um 18,3 Prozent zu. Die Banken entrichteten Steuern in Höhe von CHF 1,9 Mrd.

Starke Zunahme der flüssigen Mittel, Hypothekarforderungen bleiben grösste Aktivposition

Die aggregierte Bilanzsumme aller Banken in der Schweiz hat im Jahr 2020 um 4,5 Prozent auf CHF 3’467,3 Mrd. zugenommen. Dafür mitverantwortlich ist der starke Anstieg der flüssigen Mittel um 26,1 Prozent. Diese Entwicklung korrespondiert mit der starken Zunahme der Giroguthaben der Banken bei der SNB um 24,1 Prozent, die durch die Erhöhung des Freibetrags unterstützt wird. Die Erhöhung des Frei­betrags erhöht auch den Spielraum der Banken für die Kreditvergabe. Die Hypothekarforderungen bilden mit 31,7 Prozent die grösste Position auf der Aktivseite der Schweizer Banken. Flüssige Mittel und Hypothekarforderungen waren in den vergangenen zehn Jahren die treibenden Kräfte auf der Aktivseite. So haben die flüssigen Mittel zwischen 2010 und 2020 eine markante Zunahme von CHF 106,1 Mrd. auf CHF 684,6 Mrd. verzeichnet. Diese Entwicklung ist unter anderem auf die Basel-III-Liquiditätsregulierung sowie auf die Frankenstärke und das Niedrigzinsumfeld zurückzuführen. Letzteres steigert wiederum die Attraktivität von Wohneigentum und die in dieser Zeit beobachtete Zunahme der Hypothekarforderungen um rund 43 Prozent.

Sichteinlagen und Termineinlagen verliefen in entgegengesetzter Richtung

Auf der Passivseite haben die Verpflichtungen aus Kundeneinlagen eine Zunahme von 8,7 Prozent verzeichnet. Sie bilden Ende 2020 insgesamt 56,9 Prozent der Bilanzsumme. Ausgelöst wurde die Zunahme durch einen markanten Anstieg der Sichteinlagen (+29,2%), die einen Teil der Verpflichtungen aus Kundeneinlagen bilden. Gleichzeitig sind die Termineinlagen um rund 16 Prozent gesunken. Dies widerspiegelt auch die Entwicklung der vergangenen zehn Jahre. Termineinlagen wurden aufgrund der niedrigen Zinsen vermehrt in Sichteinlagen umgeschichtet. Die starke Zunahme der Sichteinlagen gegenüber dem Vorjahr ist zudem auf die aussergewöhnlich hohe Sparquote als Folge des Konsumverzichts während der Corona-Massnahmen zurückzuführen.

Leichte Abnahme der verwalteten Vermögen trotz Zunahme der Wertschriftenbestände

Die verwalteten Vermögen haben 2020 eine leichte Abnahme (–0,2%) verzeichnet, die hauptsächlich auf die ausländischen Kundenvermögen zurückzuführen ist. Während das in Wertschriften investierte Vermögen der inländischen Kunden trotz volatiler Märkte zunahm, blieb dieses bei ausländisch domizilierten Kunden konstant. Die Treuhandverpflichtungen sowie die Verpflichtungen gegenüber Kunden ohne Einlage auf Sicht gingen bei beiden Kundengruppen zurück. Ausländische Kundenvermögen haben einen höheren Fremdwährungsanteil als inländische Kundenvermögen. Eine Aufwertung des Schweizer Franken führt deshalb bei ausländischen Kunden zu einer stärkeren Verringerung des in Franken bewerteten Vermögens als bei Schweizer Kunden. Die Umschichtung von Termin- in Sichteinlagen hat eine deutliche Zunahme der verwalteten Vermögen verhindert.

Anzahl Beschäftigte nahmen bei den Banken der Schweiz trotz der Pandemie zu

Die 243 Schweizer Banken konnten 2020 erstmals seit 2010 wieder eine Zunahme der Anzahl Beschäftigten verzeichnen (+414 Vollzeit­äquivalente). Aufgrund der Konsolidierung der Branche, verschärfter Regulierung und der Auslagerung von Tätigkeiten ist die Anzahl der Beschäftigten im Bankensektor in den Vorjahren stetig gesunken. Es ist davon auszugehen, dass dies nicht unbedingt eine Trendwende bedeutet. Die Arbeitslosenquote des Finanzsektors lag gemäss SECO am Ende des Krisenjahrs 2020 mit 3,3 Prozent leicht unter derjenigen der Gesamtwirtschaft. Der Finanzsektor wurde weniger stark von der COVID-19-Pandemie getroffen als andere Branchen.

Abbildung 1

Regionalbanken und Auslandbanken verzeichnen per Ende 2020 rund 1’000 Stellen weniger als im Vorjahr, während die restlichen Bankengruppen insgesamt 1’414 zusätzliche Stellen aufweisen. Der Rückgang bei den Regionalbanken und der Anstieg bei den Grossbanken geht dabei vor allem auf statistische Effekte infolge der Zusammenführung der Neuen Aargauer Bank mit der Credit Suisse (Schweiz) AG zurück.

In der ersten Jahreshälfte 2021 erhöhte sich gemäss der Umfrage der SBVg der Personalbestand bei den Schweizer Banken um rund ein Prozent, wobei der Zuwachs im Ausland mit 1,8 Prozent stärker ausgefallen ist als im Inland (0,2%). Im gleichen Zeitraum sank die Arbeits­losenquote gemäss SECO im Finanzsektor auf 2,8 Prozent. Die Aussichten für den weiteren Jahresverlauf präsentieren sich positiv. Während nur 9.5 Prozent der befragten Banken von einem Rückgang der Beschäftigten ausgehen, erwartet ein Viertel der Befragten einen Arbeits­platzaufbau. Die besten Aussichten auf eine steigende Beschäftigung im zweiten Halbjahr 2021 haben gemäss Umfrage die Geschäfts­bereiche Logistik und Operations («Backoffice») und das Private Banking.

Erholung von der COVID-19-Pandemie prägt das erste Halbjahr 2021

Die mit den weltweiten Lockerungen bei den Pandemie-Massnahmen einhergehende wirtschaftliche Erholung, die anhaltend expansive Geldpolitik sowie die positive Entwicklung der Aktienmärkte im ersten Halbjahr 2021 spiegeln sich sowohl in der Bilanz als auch in den verwalteten Vermögen der Schweizer Banken wider. Letztere haben nach einem leichten Rückgang 2020 in den ersten Monaten 2021 wieder deutlich zugenommen (+6,9 %). Die aggregierte Bilanzsumme legte in den ersten fünf Monaten 2021 um 3,0 Prozent zu, wobei bei den Aktiven vor allem die Forderungen aus Wertpapierfinanzierungsgeschäften sowie die Forderungen gegenüber Banken angestiegen sind. Auf der Passivseite waren es die Sichteinlagen sowie die Verpflichtungen gegenüber Banken. Zulegen konnten aber auch die Termineinlagen, welche 2020 noch stark rückläufig waren. Ob sich diese Entwicklung auch in der zweiten Hälfte 2021 fortsetzen wird, ist stark vom weiteren Verlauf der COVID-19-Pandemie abhängig.

Abbildung 2