Bilanzgeschäft

Die aggregierte Bilanzsumme aller Banken in der Schweiz stieg im Jahr 2020 um 4,5 Prozent. Die Währungs­­interventionen der SNB wirkten sich auf die Zusammen­setzung der Aktiven der Geschäfts­banken aus: Die Giroguthaben der Banken bei der SNB sind gegenüber dem Vorjahr markant angestiegen und befinden sich nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau.

Die Bilanzsumme der Banken der Schweiz stieg auch im Jahr 2020. Der Anstieg betrug um 4,5 Prozent von CHF 3’317,6 Mrd. auf CHF 3’467,3 Mrd. Die Hälfte dieser Zunahme ist auf die Entwicklung der Kantonalbanken zurück­zuführen. Auf der Aktivseite nehmen die Hypothekar­forderungen weiterhin die mit Abstand grösste Position ein, während die flüssigen Mittel 2020 einen starken Zuwachs von 26,1 Prozent erfuhren. Auf der Passiv­­­seite kam es 2020 zu einer starken Zunahme der Sichteinlagen (+29,2%), während gleich­zeitig die Termineinlagen zurück­gingen (–16%).

Das inländische Kreditvolumen wächst weiter. Dafür verantwortlich sind die gedeckten Forderungen, welche mit einer Zunahme von fast 20 Prozent auf einen neuen Höchstwert von CHF 84,3 Mrd. gestiegen sind. Analog zum Vorjahr haben die Kantonalbanken (37,3%), gefolgt von den Grossbanken (27,5%), weiterhin den grössten Marktanteil am inländischen Hypo­thekar­markt.

Entwicklungen im Jahr 2021

Die Bilanzsumme steigt im ersten Halbjahr 2021

Entwicklungen im Jahr 2020

Entwicklung der Bilanzen nach Bankengruppen

Die aggregierte Bilanzsumme aller Banken in der Schweiz nahm im Jahr 2020 um 4,5 Prozent zu. Wie schon im Vorjahr legten die Kantonalbanken in absoluten Zahlen am stärksten zu: Sie waren für knapp die Hälfte des gesamten Wachstums verant­wortlich. Den grössten Anteil an der aggre­gierten Bilanzsumme haben mit 45 Prozent die Grossbanken.

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Aktiven

Abbildung 10

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Mit einem Anteil von 31,7 Prozent bleiben die Hypothekar­forderungen die grösste Aktivposition. Die flüssigen Mittel waren 2020 mass­geblich an der Zunahme der Aktiven beteiligt. Die Zunahme der flüssigen Mittel um CHF 141,7 Mrd. (+26,1%) gegen­über dem Vorjahr korre­spondiert mit einem entsprechend starken Wachstum der Giroguthaben der Banken bei der SNB (+24,1%).

Die in- und ausländischen Hypothekar­forderungen erhöhten sich 2020 gegen­über dem Vorjahr um CHF 33,3 Mrd. von CHF 1’064,7 Mrd. auf CHF 1’098,0 Mrd. Damit blieben die Hypothekar­forderungen auch 2020 mit einem Anteil von rund 31,7 Prozent der bedeutendste Aktiv­posten der Banken in der Schweiz.

Die flüssigen Mittel haben 2020 einen starken Anstieg um 26,1 Prozent (+ CHF 141,7 Mrd.) verzeichnet und bilden den zweitwichtigsten Aktiv­posten. Damit einher ging ein starkes Wachstum der Giroguthaben der Banken bei der SNB (+24,1%). Abgesehen von der Banken­­­gruppe «Andere Banken» haben alle Bankengruppen ihre Giroguthaben erhöht. Vor allem die Kantonalbanken waren mit einer Zunahme der Giroguthaben von knapp 41 Prozent massgeblich an der Entwicklung beteiligt. Ein Grund für diese starke Zunahme im Krisenjahr 2020 ist die Erhöhung des Freibetragsfaktors auf den Girokonten der Banken bei der SNB.

Die Forderungen gegenüber Kunden sanken 2020 leicht um CHF 1,5 Mrd. (–0,2%). Mit einem Anteil von 17,8 Prozent an den gesamten Aktiven stellten die Forderungen gegenüber Kunden neu nur noch den drittgrössten Posten dar.

Die Forderungen gegenüber anderen Banken stiegen 2020 schwach um CHF 0,9 Mrd. (+0,4%) auf CHF 253,3 Mrd. Der schwache Anstieg resultiert aus einer rückläufigen Entwicklung der Forderungen gegenüber Banken im Inland (–5,1%) und einer Zunahme der Forderungen gegen­über Banken im Ausland von CHF 5,6 Mrd. (+3,5%).

Die Zunahme der Aktivposition «Finanz­anlagen» um CHF 13,1 Mrd. ist fast ausschliesslich auf inländische Finanz­anlagen (+CHF 12,2 Mrd.) zurück­zuführen. Bei den Forderungen aus Wert­papier­finan­zierungs­­geschäften kann zwischen dem Inland und dem Ausland eine entgegen­gesetzte Entwicklung festgestellt werden: Während sich die inländischen Forderungen leicht erhöhten, kam es bei den aus­ländischen Forderungen zu einem Rück­gang von rund CHF 32 Mrd.

Grundlegende Veränderungen bei der Zusammensetzung der Aktiven seit 2010

Die Zusammensetzung der Aktiven hat sich über die vergangenen zehn Jahre markant verändert. Die flüssigen Mittel verzeich­neten zwischen 2010 und 2020 eine enorme Zunahme. Während deren Bestand 2010 bei CHF 106,1 Mrd. lag, umfasste er per Ende 2020 insgesamt CHF 684,6 Mrd. Zur starken Zunahme trugen mehrere Faktoren bei: Zum einen waren die Inter­ventionen der SNB zur Bekämpfung der Frankenstärke ausschlag­gebend, da der Kauf von ausländischen Devisen durch die SNB im Gegenzug zu einer Erhöhung bei den Frankengiro­konten der Gegenparteien führt. Ausserdem waren durch die niedrigen Zinsen die Opportu­nitäts­kosten der Liquiditäts­haltung gering, weshalb die Banken viel Liquidität auf den Giro­konten bei der SNB deponierten. Trotz den seit Januar 2015 erhobenen Negativzinsen haben die Banken ihre Giroguthaben bei der SNB gegenüber dem Vorjahr erneut markant um 24,1 Prozent auf CHF 597,2 Mrd. im Jahr 2020 ausgedehnt.

Konti­nuierlich zugenommen haben zwischen 2010 und 2020 auch die in- und ausländischen Hypothekarforderungen (von CHF 767,1 Mrd. auf CHF 1’098,0 Mrd.). Ihr Anteil an den gesamten Aktiven hat sich von 28,3 Prozent (per Ende 2010) auf 31,7 Prozent per Ende 2020 leicht erhöht. Grund dafür sind ebenfalls die anhaltend niedrigen Zinsen sowie die damit verbundene hohe Nachfrage nach Immobilien. In den letzten beiden Jahren wurde die Nachfrage nach Eigenheimen durch die Pandemie und insbeson­dere den Lockdown zusätzlich befeuert.

Die Forderungen gegenüber Banken machten 2010 gemessen an den Gesamt­aktiven 22,2 Prozent aus. 2020 lag der Anteil noch bei 7,3 Prozent. Diese Reduktion ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Banken diese Bilanzposition bewusst abbauten, um die Verflechtungen mit anderen Banken zu reduzieren. Zudem ist diese Entwicklung auch mit der durch die Regulierung geforderten höheren Eigenkapitalquote verbunden.

Entwicklung des inländischen Kreditgeschäfts

Das inländische Kreditvolumen konnte 2020 um rund 3,7 Prozent zulegen. Mit 85,4 Prozent sind die Hypothekarforderungen, die vor allem auf die privaten Haushalten zurückgehen, die mass­gebende Position im schweizerischen Kredit­geschäft.

Das ausstehende inländische Kredit­volumen betrug im Jahr 2020 CHF 1’259,1 Mrd. Davon stammten CHF 183,8 Mrd. aus gedeckten und ungedeckten Forderungen gegenüber Kunden (Unternehmen, öffentliche Körperschaften und Konsum­kredite) und CHF 1’075,3 Mrd. aus Hypo­thekar­forderungen. Im Vergleich zum Vorjahr nahm das gesamte inländische Kredit­volumen im Jahr 2020 um 3,7 Prozent zu. Das Wachstum ist somit vergleichbar mit der Entwicklung der Vorjahre. Insgesamt haben die Hypo­thekar­­forderungen seit 2010 um CHF 338,4 Mrd. zugelegt und der Anteil am inländischen Kredit­volumen ist von 82,3 Prozent auf 85,4 Prozent ange­wachsen. Die Hypothekar­forderungen stellen somit kontinuierlich den grössten Anteil am Kredit­volumen. Während die gedeckten Forderungen vor allem aufgrund der COVID-19-Kredite um CHF 13,9 Mrd. zulegen konnten, kam es bei den ungedeckten Forderungen 2020 zu einem leichten Rückgang von CHF 1,2 Mrd.

Abbildung 12

Die gesamthaft ausstehenden Hypo­thekar­kredite erhöhten sich im Jahr 2020 um 3,1 Prozent auf CHF 1’098,0 Mrd. Die grosse Mehrheit davon (CHF 1’075,3 Mrd.) stammte von inländischen Kunden. 75 Prozent waren Hypothekar­forderungen, die an private Haushalte vergeben wurden. Der Anteil der festverzinsten Hypothekar­kredite liegt 2020 bei 81,5 Prozent. Der durch­schnittliche Zinssatz der ausste­henden inländischen Hypothekar­forderungen sank im Jahr 2020 von 1,37 auf 1,27 Prozent. Im historischen Verlauf haben Hypothekarforderungen mit einer Laufzeit von mehr als fünf Jahren an Bedeutung gewonnen. Lag deren Anteil im Jahr 2010 noch bei 15,5 Prozent, beläuft sich dieser im Jahr 2020 auf 27,6 Prozent.

Der Marktanteil der Kantonalbanken am inländischen Hypothekar­kredit­volumen betrug Ende 2020 insgesamt 37,3 Prozent und bleibt somit auf dem Vorjahres­niveau. Dahinter folgten die Grossbanken mit 27,5 Prozent. Über die letzten Jahre haben im inländischen Hypothekar­kreditmarkt vor allem die Kantonalbanken und Raiffeisenbanken Markt­anteile gewonnen, während die Grossbanken sowie die Regionalbanken und Sparkassen Anteile verloren haben.

Aufgegliedert nach Belehnungsgruppen betrug der Anteil der inländischen Hypo­thekar­forderungen im ersten Rang im Jahr 2020 insgesamt 92,9 Prozent. Die Belehnungsgruppe «erster Rang» umfasst Hypothekar­forderungen bis zu zwei Dritteln des Verkehrswertes der jeweiligen Immobilie. Zwischen den verschiedenen Bankengruppen können dabei keine relevanten Unterschiede festgestellt werden. Der hohe Anteil des Hypo­thekar­kreditvolumens im ersten Rang dürfte auf eine weiterhin vorsichtige Vergabe im Bereich der Hypothekarkredite hindeuten.

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Passiven

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Über die Hälfte der Passiven besteht 2020 aus Verpflichtungen aus Kunden­­einlagen. Dabei kam es gegen­über dem Vorjahr zu einem starken Anstieg der Sichteinlagen, während die Termin­einlagen und übrigen Verpflichtungen aus Kunden­einlagen abnahmen.

Die Bilanzposition «Verpflichtung aus Kundeneinlagen», welche die Summe aus den Positionen «Sichteinlagen», «Termin­einlagen» und «Übrige Verpfli­ch­­tungen aus Kundeneinlagen» bildet, verzeichnete 2020 einen Anstieg um CHF 158,8 Mrd. (+8,7%). Die Verpflichtungen aus Kunden­einlagen umfassten per Ende 2020 56,9 Prozent der Bilanzsumme. Das starke Wachstum ist auf die markante Zu­nahme der Sichteinlagen zurückzuführen (+29,2%). Diese Zunahme vermochte die Rückgänge der anderen beiden Teilpositionen zu kompensieren.

Die Verpflichtungen gegenüber Banken haben im Jahr 2020 um CHF 14,6 Mrd. abgenommen, was fast ausschliesslich auf die Abnahme der Verpflichtung gegen­über Banken im Inland (–CHF 13,4 Mrd.) zurück­zuführen ist.

Die Verpflichtungen aus dem Handels­geschäft sind um CHF 2,9 Mrd. auf CHF 34,3 Mrd. gesunken. Die Abnahme geht hauptsächlich auf die Bankengruppe «Gross­banken» zurück, deren Verpflich­tungen gegenüber dem Ausland gesunken sind (–CHF 2,6 Mrd.).

Die Bilanzposition «Anleihen, Pfandbriefe und Kassenobligationen» stieg um CHF 12,7 Mrd. Die Zunahme ist mass­geblich vom Zuwachs bei den «Anleihen und Pfandbriefdarlehen» im Inland (+CHF 25,2 Mrd.) geprägt. Im Ausland war diese Position mit einer Abnahme von CHF 11,7 Mrd. rückläufig. Für den Zuwachs sind vor allem die Kantonal- und Gross­banken verantwortlich. Die Passivposition «Anleihen- und Pfandbriefdarlehen im Ausland» weisen einzig die Kantonal- und Grossbanken auf.

Zusammensetzung der Passiven über die Zeit

Der Anteil der Verpflichtungen gegenüber Banken ist von 16,4 Prozent im Jahr 2010 auf 12,1 Prozent im Jahr 2020 zurück­gegangen. Dies zeigt, wie schon bei den Aktiven, dass die Bankenverflechtungen – insbesondere gegenüber Banken im Inland – über die Zeit abgenommen haben. Im gleichen Zeitraum stiegen die Sichteinlagen von CHF 571,2 Mrd. auf CHF 1’161,6 Mrd. an und stellten per Ende 2020 die grösste Passivposition dar (33,5%). Gleichzeitig sank der Anteil der Termineinlagen von 13,3 Prozent im Jahr 2010 auf 6,6 Prozent im Jahr 2020. Im Niedrigzins­umfeld verlieren Termineinlagen gegen­über Sichteinlagen an Attraktivität, sodass die Termineinlagen zu Sicht­einlagen um­geschichtet werden. Ein zentraler Treiber der starken Zunahme der Sichteinlagen im Jahr 2020 ist die rekordhohe Sparquote als Folge der Corona-Massnahmen.

Die Bilanzsumme steigt im ersten Halbjahr 2021

Die aggregierte Bilanzsumme hat in den ersten Monaten des laufenden Jahres ein Wachstum verzeichnet (+3,0%). Bei den Aktiven haben vor allem die Forderungen aus Wert­papier­­­finanzierungs­geschäften und Forderungen gegenüber Banken zugenommen, bei den Passiven die Sichteinlagen sowie die Verpflich­tungen gegenüber Banken.

Die aggregierte Bilanzsumme der Banken in der Schweiz ist in den ersten fünf Monaten des Jahres 2021 um 3,0 Prozent gestiegen. Die Zunahme widerspiegelt die realwirt­schaftliche Erholung sowie die positive Entwicklung der Aktienmärkte im ersten Halbjahr 2021.

Nachdem der Anstieg der Bilanzsumme 2020 auf der Aktivseite durch die markante Zunahme der flüssigen Mittel geprägt war, haben in den ersten Monaten 2021 vor allem die Bilanz­positionen Forderungen aus Wertpapier­finanzierungs­geschäften (+25,2%) und Forderungen gegenüber Banken (+10,9%) zugenommen. Diese Effekte dürften mit der Volatilität der Märkte und einer verstärkten Handels­aktivität von Kunden zusammenhängen, bei denen die Banken mitunter Gegen­positionen eingehen. 2020 waren diese beiden Positionen nur schwach angestiegen bzw. rückläufig.

Die flüssigen Mittel haben zwischen Januar und Mai 2021 ebenfalls leicht zuge­nommen. Allerdings ist der Anstieg mit +1,4% um einiges kleiner aus­gefallen als 2020. Die Hypothekar­forderungen scheinen 2021 im gleichen Ausmass zuzunehmen wie im Vorjahr. Die Nachfrage nach Immobilien bleibt hoch. Der Wunsch nach Eigenheimen und deren Finanzierung haben sich durch die COVID-19-Pandemie sogar zusätzlich verstärkt.

Auf der Passivseite der Bilanz wurde die Zunahme vor allem durch einen Anstieg der Kunden­einlagen (+2,7%) sowie der Verpflichtungen gegenüber Banken (+7,3%) getrieben. Ausserdem haben die Verpflichtungen aus dem Handelsgeschäft mit einem Plus von CHF 40,0 Mrd. (+16,2%) relativ stark zugenommen. Die wirtschaftliche Erholung widerspiegelt sich auch in der Entwicklung der Sicht- und Termineinlagen: Beide Positionen verzeichneten in den ersten Monaten 2021 eine Zunahme (Sichteinlagen: +5,6%, Termineinlagen: +3,6%). Termineinlagen konnten demnach wieder an Attraktivität gewinnen.