Bankenbarometer 2026

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Executive Summary

Wirtschaftspolitisches Umfeld

Die Schweiz bewegt sich in einem volatilen handels- und geopolitischen Umfeld. Moderate Wachs­tums­aus­sichten, eine niedrige Inflation und die Beibehaltung von Nullzinsen prägen das makroökonomische Bild. Im Hin­blick auf das bundes­rät­liche Mass­nahmen­paket «Bankenstabilität» ist entscheidend, dass die internationale Wettbewerbsfähigkeit der schwei­zerischen Banken gewahrt wird.

Moderates Wachstum bei erhöhten externen Risiken

Die Schweizer Wirtschaft wuchs 2025 real um 1,5 Prozent und blieb damit unter dem lang­fristigen Durchschnitt. Die Entwicklung verlief unein­heitlich: Handel, Finanz­dienst­leistungen und die chemisch-pharma­zeu­tische Industrie setzten positive Impulse, während sich das übrige ver­arbeitende Gewerbe rückläufig entwickelt hat. Für 2026 erwarten die Expertinnen und Experten des Swiss Banking Outlook ein unter­durch­schnittliches BIP-Wachstum von 1,0 Prozent, für 2027 eine Beschleunigung auf 1,4 Prozent. Der Krieg im Nahen und Mittleren Osten, höhere Energie- und Vor­leis­tungs­kosten sowie Wechselkursrisiken belasten weiterhin die exportorientierten Branchen, die Investitionstätigkeit und damit auch die Kreditnachfrage.

Niedrige Inflation und Nullzinsen belasten die Zinsmargen

Die Konsumteuerung lag 2025 im Jahres­durchschnitt bei 0,2 Prozent und zog Anfang 2026 infolge höherer Energiepreise leicht an. Die SNB beliess den Leitzins unver­ändert bei null; ihre bedingte Infla­tions­prognose für 2026 und 2027 beträgt jeweils 0,5 Prozent. Während die höheren Energiepreise kurzfristig für Aufwärtsdruck sorgen, wirkt der starke Schweizer Franken mittelfristig preisdämpfend. Gleichzeitig bleibt die Zinsdifferenz zum Ausland aus­geprägt: Die EZB erhöhte ihre Leitzinsen im Juni 2026, während das Zielband der Fed bei 3,5 bis 3,75 Prozent liegt. Für die Banken ist dieses Umfeld zwiespältig. Die tiefen Zinsen stützen zwar Kon­junktur und Finanzierung, setzen jedoch die Zins­margen unter Druck und können ins­besondere im inländischen Kredit- und Hypothekar­geschäft den Geschäftserfolg belasten.

Robuster Bankensektor trotz erhöhter Finanzstabilitätsrisiken

Die internationalen Finanzmärkte haben sich trotz erhöhter geopolitischer Span­nungen bislang robust gezeigt. Die Risiken für die Finanz­stabilität bleiben jedoch er­höht. Hohe öffentliche und private Schulden, die wachsende Bedeutung nichtbanklicher Finanzintermediäre sowie der Aus­bau privater Kreditmärkte können eine abrupte Verschärfung der Finan­zierungs­bedingungen verstärken und auf den Bankensektor übertragen. Der Schweizer Bankensektor ist dank solider Kapital- und Liquiditätspuffer grundsätzlich gut aufgestellt. Inlandorientierte Institute stehen im Niedrigzinsumfeld jedoch weiter­hin unter Margendruck. Die Hypo­thekar­verschuldung bleibt hoch, und ins­beson­dere bei Rendite­liegenschaften bestehen weiterhin Verwundbarkeiten.

Regulierung: Stabilität stärken, Standortnachteile vermeiden

Im Zentrum der Schweizer Regulierungs­politik steht das Massnahmenpaket «Banken­stabilität» des Bundesrats, das Massnahmen für ein breites Spektrum unter­schiedlicher Bereiche, wie beispiels­weise Eigenkapital- und Liquiditäts­regu­lierung, Corporate Governance und Ab­wicklung, vorschlägt. Dabei wird es ent­scheidend sein, mit den konkreten An­for­derungen die richtige Balance zwischen Systemstabilität und inter­nationaler Wett­bewerbsfähigkeit zu erreichen. Zusätz­lich ist eine proportionale Ausgestaltung von hoher Bedeutung, die den unter­schied­lichen Ausgangslagen verschiedener Banken gebührend Rechnung trägt.

Konsolidierte Ent­wick­lung der Banken

Das Jahr 2025 verlief für die Schweizer Banken insgesamt erfolg­reich. Der aggre­gierte Geschäftserfolg stieg gegenüber dem Vorjahr um 5,8 Prozent auf ein All­zeit­hoch von CHF 73,8 Mrd. Besonders deutlich legte das Kommissions- und Dienst­leis­tungs­geschäft zu. Entsprechend er­höhte sich auch der Jahresgewinn des gesamten Sektors um 16,3 Prozent auf CHF 20,6 Mrd. Auch die ver­wal­teten Ver­mögen stiegen auf Rekord­niveau.

Zugewinne im Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft prägen den Geschäfts­erfolg

Die positive Entwicklung des aggregierten Geschäftserfolgs der Schweizer Banken war ins­besondere auf den höheren Erfolg aus dem Kommissions- und Dienst­leistungs­geschäft zurück­zuführen, der auf eine stärkere Kundenaktivität an den Finanz­märkten hindeutet. Auch der übrige orden­tliche Erfolg nahm deutlich zu. Das Zins­geschäft war von einer anderen Entwicklung geprägt: Das tiefe Leitzinsniveau führte zwar zu einem deutlichen Rückgang des Zinsertrags, zugleich verringerte sich jedoch auch der Zinsaufwand erheblich. Dadurch blieb der Zinserfolg insgesamt weitgehend stabil. Von dieser Entwicklung profitierten insbesondere die Grossbanken, die ihren Anteil am gesamten Geschäfts­erfolg der Schweizer Banken erstmals seit 2020 wieder ausbauen konnten. Auch andere Bankengruppen, darunter die Auslands- und Börsen­banken, verzeichneten einen Erfolgszuwachs. Ihr Anteil am Gesamterfolg ging jedoch leicht zurück, was vor allem auf die überdurchschnittliche Entwicklung der Grossbanken zurückzuführen war. Der in den Vorjahren beobachtete Rückgang des Anteils der Grossbanken am aggregierten Geschäfts­erfolg setzte sich 2025 damit erstmals nicht fort. Insgesamt stieg der aggregierte Geschäfts­erfolg um 5,8 Prozent. Auch der Jahres­gewinn nahm gegenüber dem Vorjahr deutlich zu und er­reichte 2025 CHF 20,6 Mrd. Ausschlaggebend dafür waren der höhere Bruttogewinn infolge des gestie­genen Geschäftserfolgs sowie ein leicht rück­­läufiger Geschäftsaufwand. Damit konnte auch der deutliche Rückgang der ausser­ordentlichen Erträge gegenüber dem Vorjahr kom­pensiert werden. Diese be­wegten sich 2025 erstmals seit der Über­nahme der Credit Suisse wieder auf einem im langfristigen Vergleich üblichen Niveau. Die damit verbundenen Sondereffekte dürften somit weitgehend ausgelaufen sein.

Marktbedingter Anstieg der Finanz­anlagen, Hypo­thekar­forderungen weiterhin wichtigste Bilanzposition

Im Jahr 2025 verringerte sich die aggre­gierte Bilanzsumme aller Banken in der Schweiz leicht um 0,9 Prozent auf CHF 3’191,3 Mrd. Auf der Aktivseite blieben die Hypothekarforderungen mit einem Anteil von 39,6 Prozent die bedeutendste Position und nahmen wie bereits im Vor­jahr leicht zu. Deutlich stärker stiegen die Finanz­anlagen, die unter allen Aktiv­posi­tionen den grössten Zuwachs verzeich­neten, ins­besondere im Inland. Die flüssigen Mittel gingen dagegen wie schon in den Vorjahren zurück. Mit einem Minus von 1,4 Prozent fiel der Rück­gang jedoch deutlich geringer aus als zuvor. Die Forde­rungen gegenüber Kundinnen und Kunden blieben weitgehend stabil, während sowohl die Forde­rungen aus Wert­papier­finan­zierungs­geschäften als auch jene gegenüber Banken abnahmen. Ausschlaggebend war insbesondere der Rückgang der Forde­rungen gegenüber Banken im Ausland.

Kundeneinlagen steigen, während Verpflichtungen gegenüber Banken sinken

Auf der Passivseite nahmen die Verpflich­tungen aus Kundeneinlagen leicht zu und machen damit weiterhin mehr als die Hälfte der gesamten Passiven aus. Hinter dieser Entwicklung standen gegen­läufige Trends: Während die Sichteinlagen um 14,5 Prozent zunahmen, gingen die Termin­einlagen um 23,5 Prozent zurück. Diese Verschiebung dürfte sowohl auf das niedrige Leit­zins­niveau der SNB als auch auf das geo­politisch unsichere Umfeld im Jahr 2025 zurückzuführen sein. Die Ver­pflichtungen gegenüber Banken sanken um CHF 14,0 Mrd. Aus­schlag­gebend war vor allem der Rückgang der Verpflichtungen gegenüber Banken im Inland, der ins­besondere von den Grossbanken und Kantonal­­banken geprägt wurde. Den stärksten Zuwachs verzeichneten die Verpflichtungen aus Handelsgeschäften mit einem Plus von CHF 11,2 Mrd. Diese Entwicklung dürfte insbesondere mit höheren Handelsvolumen sowie Ver­änderungen in der Zusammen­setzung und Bewertung der Handels­­bestände der Grossbanken zusammenhängen. Auch die übrigen Kundeneinlagen sowie die Position «Anleihen, Pfandbriefe und Kassen­obli­ga­tionen» nahmen gegenüber dem Vorjahr leicht zu. Getragen wurde diese Entwick­lung vor allem von einem Zuwachs im Inland.

Verwaltete Vermögen auf Rekord­niveau

Die verwalteten Vermögen stiegen 2025 um 4,8 Prozent auf den Rekordwert von CHF 9’729 Mrd. Ausschlaggebend dafür war die positive Entwicklung an den Aktien­märkten, die zu einem deutlichen Anstieg der Wertschriftenbestände in Kunden­depots führte. Sowohl die Ver­mögen der inländischen als auch der ausländischen Kundinnen und Kunden nahmen zu, wobei letztere besonders stark wuchsen. Dies unter­streicht die anhaltende Attraktivität des Schweizer Banken­platzes in der grenz­über­schreitenden Vermögensverwaltung, die in geo­politisch volatilen Zeiten besonders gut sichtbar ist.

Angespannte Beschäftigungslage bei den Grossbanken

Die Schweizer Banken beschäftigten Ende 2025 im Inland 92’002 Personen (in Voll­zeit­äquiva­lenten), was einem Rückgang von 2’345 Stellen gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dieser Trend ist ausschliesslich auf die Grossbanken zurückzuführen. Alle anderen Bankengruppen konnten einen Stellenzuwachs verzeichnen. Die Arbeits­losenquote im Bankensektor stieg auf 3,3 Prozent, was minimal über dem Schweizer Durch­schnitt lag. Trotz der Heraus­for­de­rungen durch das Niedrig­­­zinsumfeld sowie der geopolitischen Unsicherheiten konnten alle Bankengruppen ausser den Gross­banken ein robustes Beschäftigungs­umfeld beibehalten. In der ersten Jahreshälfte 2026 ging der Personalbestand der Schweizer Banken gemäss der SBVg-Umfrage um 2,4 Prozent zurück. Ausschlag­gebend war vor allem die Entwicklung im Aus­land, wo die Beschäf­tigung um 3,7 Prozent sank. Im Inland fiel der Rückgang mit 1,4 Prozent deutlich moderater aus. Gleichzeitig stieg die Arbeits­losenquote im Finanzsektor gemäss SECO gegenüber Ende 2025 auf 3,5 Prozent. Für den weiteren Jahresverlauf fallen die Erwartungen ins­gesamt stabil aus. 59,4 Prozent der Antwortenden rechnen mit einem unveränderten Personal­­bestand, 33,3 Prozent mit einem Stellenaufbau und 7,2 Prozent mit einem Rückgang.

Abbildung 1

Abbildung 2

Moderates Wachstum und Stabili­sierung im ersten Halbjahr 2026

Die wirtschaftliche Entwicklung blieb in der ersten Jahreshälfte 2026 moderat positiv. Der Swiss Banking Outlook erwartet für 2026 gleich­wohl ein deutlich unter­durch­schnittliches BIP-Wachs­tum. Die Inflation blieb niedrig, und die SNB beliess den Leit­zins bei null Prozent. Die aggregierte Bilanz­summe der Schweizer Banken stieg um 3,4 Prozent auf CHF 3’412,6 Mrd. Zu diesem Wachs­­tum trugen insbesondere die Finanz­anlagen, die Forderungen gegenüber Banken sowie die Forderungen aus Wert­papierfinanzierungsgeschäften bei, während die übrigen Aktiv­posi­tionen weitgehend stabil blieben. Besonders deutlich nahmen die Forderungen gegenüber Banken zu und machten damit den Rück­gang des Vor­jahres wieder wett. Auch die verwalteten Ver­mögen erreichten einen neuen Höchst­stand. Mit CHF 10’119,5 Mrd. über­schritten sie erst­mals die Marke von CHF 10’000 Mrd. Ausschlaggebend dafür war vor allem der Anstieg der Wert­­­schriften­bestände um 4,7 Prozent. Auch die Treu­handverpflichtungen legten mit 7,1 Prozent deutlich zu. Demgegenüber gingen die Ver­pflichtungen gegenüber Kundinnen und Kunden ohne Sichteinlagen zurück, was aus­schliesslich auf die Entwicklung bei aus­ländisch domizilierten Kundinnen und Kunden zurück­zuführen war.

Der Redaktionsschluss des Banken­barometers 2026 war am 13.8.2026.