Bankenbarometer 2025

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Executive Summary

Teil I: Der Schweizer Bankensektor

Die Schweiz bewegt sich in einem volatilen handels- und geopolitischen Umfeld. Moderate Wachstums­aus­sichten, eine auf null zurückgegangene Inflation und die Rückkehr zu Null­zinsen prägen aktuell das makro­ökonomische Bild. Die frühe Um­setzung von «Basel III Final» stärkt die Resilienz des Finanzsystems, erhöht aber gleichzeitig die Anforderungen an die Institute und führt vorüber­gehend zu Wett­bewerbsnachteilen.

Verhaltenes Wirtschaftswachstum in einem volatilen Umfeld Nach einem schwachen Vorjahr verlang­samte sich das Wachstum des Brutto­inlandproduktes (BIP) 2024 auf 1,0 Prozent und ging damit pro Kopf erneut leicht zurück. Konjunktursensible und expor­torientierte Branchen blieben unter Druck, während sich die Binnenwirtschaft stabil zeigte. Der Arbeitsmarkt erwies sich als widerstandsfähig, und auch die Bank­beschäftigung legte weiter zu. Für 2025 erwartet das Staats­sekretariat für Wirt­schaft (SECO) eine leichte Zunahme des Wirtschaftswachstums auf 1,3 Prozent, getragen von einer robusten Binnen­nach­frage und einem zwischenzeitlich schwä­cheren Franken – jedoch unter erhöhter Prognoseunsicherheit. Nachlassende Inflation und Rückkehr zu Nullzinsen Die Konsumententeuerung ging 2024 deutlich zurück (1,1%) und lag im Juni 2025 bei 0,1 Prozent. Aufgrund des stark abgenommenen Inflationsdrucks halbierte die Schweizerische National­bank (SNB) den Leitzins im Dezember 2024 auf 0,5 Prozent und senkte ihn am 19. Juni 2025 weiter auf 0,0 Prozent. Damit öffnete sich die Zins­schere zu den grossen Währungs­räumen erneut: Die Europäische Zentral­bank (EZB) legte den Hauptrefinanzierungs­satz Mitte 2025 auf 2,15 Prozent, die US-amerikanische Federal Reserve (Fed) hielt am Zielband von 4,25 bis 4,50 Prozent fest. Das niedrige Zinsumfeld in der Schweiz verengt die Zinsmargen der Banken mit direktem Einfluss auf den Geschäfts­erfolg. Eine Rückkehr zu Negativ­zinsen kann nicht ganz ausgeschlossen werden. Finanzstabilität: Globale Spannungen Die globalen Finanzstabilitätsrisiken haben seit Herbst 2024 insbesondere in den USA zu­genommen. Hohe Bewertungen an Aktien- und Kreditmärkten, eine wachsende Verschuldung im Nicht­banken­sektor und die sinkende Liquidität an Staatsanleihemärkten erhöhen die Gefahr abrupter Korrekturen. Die SNB stufte die Widerstandsfähigkeit und Kapitalisierung der Banken in der Schweiz weiterhin als hoch ein. Dennoch sind weitreichende Regulierungsmassnahmen im Bereich des Eigenkapitals angedacht. Regulierung: «Basel III Final» umgesetzt, Paket «Bankenstabilität» überladen und wenig verhältnismässig Mit «Basel III Final» hat die Schweiz per Januar 2025 ein zentrales Eigenkapital-Reformpaket umgesetzt. Damit sind substanzielle Kosten für die einmalige Umstellung wie auch den laufenden Betrieb ver­bunden. Da die EU, Grossbritannien und die USA ihre Finalisierung ganz oder teilweise ver­schoben haben, drohen mindestens vorübergehend Wettbewerbsnachteile. Die Krise der Credit Suisse hat Anlass zu zahlreichen und weitgehenden politischen und regula­torischen Vorschlägen zur Verschärfung der Too-Big-To-Fail Regu­lierung gegeben. Beispiele für wesentliche Stoss­richtungen sind strengere Eigen­kapitalanforderungen, Verbesserung der Liquiditäts­versorgung in der Krise, Einführung eines Ver­antwortlich­keits­regimes (Senior-Managers-Regime) und erweiterte Kompetenzen für die Eid­genössische Finanzmarktaufsicht (FINMA). Der Bundesrat will zahlreiche dieser Massnahmen nicht nur auf systemrelevante Institute, sondern auf alle Banken anwenden. Die Schweizerische Bankier­vereinigung begrüsst eine zielorientierte und verhältnismässige Stärkung der System­stabilität, fordert jedoch die ange­messene Berücksichtigung von Wett­bewerbsfähigkeit und proportionaler Um­setzung und sieht in verschiedenen Bereichen noch substanziellen An­passungs­bedarf.

Teil II: Konsolidierte Entwicklung der Banken

Das Jahr 2024 war für die Banken in der Schweiz von einer verhaltenen Gesamt­entwicklung geprägt. Der aggregierte Geschäftserfolg ging gegenüber dem Vorjahr um 3,5 Prozent auf CHF 69,8 Mrd. zurück, wobei insbesondere der Zinserfolg abnahm. Entsprechend fiel auch der Jahresgewinn für den gesamten Sektor mit CHF­ 17,7 Mrd. (–31,7%) geringer aus.

Ein rückläufiger Zinserfolg im Niedrig­zinsumfeld drückt auf den Jahresgewinn Der Rückgang des aggregierten Geschäfts­erfolgs der Banken in der Schweiz ist in erster Linie auf einen rückläufigen Zins­erfolg zurück­zuführen, der vor allem durch höhere Refinanzierungskosten und den daraus resultierenden Anstieg des Zins­aufwands bedingt war. Die Nettozinsmarge der inlands­orientierten Banken sank im Jahresverlauf um 8 Prozent auf 1,02 Prozent Ende 2024. Dieser Rückgang im Zinsergebnis konnte durch einen markanten Zuwachs im Handels­erfolg von 38,4 Prozent kompensiert werden – eine Entwicklung, die insbesondere auf ein volatiles Börsenjahr zurückzuführen ist. Auch der Erfolg im Kommissions- und Dienst­leistungs­geschäft verzeichnete einen leichten Anstieg. Die Börsen- und Kantonal­banken konnten ihren Anteil am Gesamterfolg ausbauen. Im Gegensatz dazu mussten die Grossbanken sowohl einen Rückgang ihres Anteils am Gesamt­erfolg als auch den stärksten Rückgang beim aggregierten Geschäftserfolg verzeichnen. Damit setzten sich im Jahr 2024 die bereits zuvor beobachteten Verschiebungen zwischen Bankengruppen in der Schweiz weiter fort – weg von den Grossbanken hin zu anderen Banken­gruppen. Auch der übergeordnete Trend hin zu weniger Banken setzt sich fort. Insgesamt resultierte aus diesen Entwick­lungen eine Abnahme des aggregierten Geschäfts­erfolgs um 3,5 Prozent. Auch der Jahresgewinn ging im Vergleich zum Vorjahr zurück und lag 2024 bei CHF 17,7 Mrd. (–31,7%). Diese Entwicklungen sind unter anderem auf den Rückgang im Zinsgeschäft aufgrund der gesunkenen Zinsmarge zurück­zuführen, die durch die tiefe Ver­zinsung von Hypotheken und Bankkrediten bei gleich­­zeitig gestiegenen Refinan­zie­rungs­kosten stark unter Druck geriet. Verwaltete Vermögen mit Rekordniveau, Hypothekarforderungen weiterhin wichtigste Aktivposition Im Jahr 2024 erreichten die verwalteten Vermögen in der Schweiz ihr Rekordhoch. Dies zeigt einmal mehr die Bedeutung der Schweiz als sicherer Hafen. Auch erhöhte sich die aggregierte Bilanzsumme aller Banken in der Schweiz um 1,3 Prozent auf CHF 3’219,1 Milliarden. Auf der Aktivseite blieben die Hypothekarforderungen mit einem Anteil von 38,2 Prozent die wichtigste Position und verzeichneten einen leichten Anstieg. Deutlich stärker legten hingegen die For­derungen aus Wertpapierfinanzierungsgeschäften sowie die Handelsbestände in Wert­schriften und Edelmetallen zu, was wesentlich zur positiven Entwicklung der Bilanzsumme beitrug. Die flüssigen Mittel gingen hin­gegen um 12,9 Prozent zurück – vermutlich aufgrund der Reduktion über­schüssiger Liquidität bei den Gross­banken. Während die Kunden­forderungen im Jahr 2024 leicht zurück­gingen, stiegen die Forde­rungen gegenüber Banken sowohl im In- als auch im Ausland. Diese Veränderung spiegelt einen angepassten Liquiditäts­bedarf der Banken in einem Umfeld sinkender Zinsen wider. Kundeneinlagen steigen, während Anleihen und Pfandbriefe deutlich sinken Auf der Passivseite nahmen die Verpflich­tungen aus Kundeneinlagen zu – sie machen über die Hälfte der Passiven aus. Die Zunahme ist sowohl auf einen Anstieg der Sichteinlagen (+2,4%) wie auch der Termineinlagen (+4,8%) zurückzuführen. Somit setzt sich im Jahr 2024 der Trend steigender Termineinlagen trotz des gesunkenen Leitzinses fort. Die Verpflich­tungen aus dem Handelsgeschäft stiegen um CHF 3,9 Mrd. (+13,8%), während «Anleihen, Pfandbriefe und Kassen­obligationen» um CHF 62,2 Mrd. (–15,5%) sanken. Mögliche Gründe dafür waren die vorzeitige Rückzahlung von Credit-Suisse-Anleihen durch die UBS und höhere Risiko­prämien für Pfandbriefe. Die Verpflich­tungen gegenüber Banken nahmen um CHF 15,2 Mrd. (+3,9%) zu, was hauptsächlich auf die Zunahme der Verpflichtungen gegen­über Banken im Ausland zurück­zuführen ist. Diese Entwicklung wurde mass­geblich durch die Raiffeisenbanken und die Kantonal­banken geprägt. Anzahl Beschäftigte bei den Banken in der Schweiz nimmt weiter zu, der Ausblick zeigt Optimismus Die 230 Banken in der Schweiz verzeichneten 2024 eine stabile Beschäftigungslage mit einem leichten Wachstum der Anzahl Beschäftigten. Von den rund 159’500 Beschäftigten im Bankdienstleistungsgeschäft waren Ende 2024 94’347 Personen (in Vollzeitäquivalenten) bei einem Bankinstitut tätig. Dies entspricht einem Anstieg von 1’048 Stellen (+ 1,1%) gegenüber dem Vorjahr. Die Arbeitslosenquote im Finanzsektor stieg auf 3,0 Prozent, was geringfügig über dem Durchschnitt in der Gesamtwirtschaft lag. Trotz der Herausforderungen durch das veränderte Zinsumfeld zeigte sich der Schweizer Bankensektor in Bezug auf die Beschäftigung weiterhin als robust. In der ersten Jahreshälfte 2025 ging gemäss der Umfrage der SBVg der Personal­­­­­bestand bei den Schweizer Banken um 1,7 Prozent zurück, wobei dies aus­schliesslich auf die Entwicklung im Ausland zurückzuführen war. Im Inland blieb die Beschäftigung im gleichen Zeitraum stabil. Die Arbeitslosenquote nahm im Finanz­sektor gemäss SECO gegenüber Ende 2024 minimal auf 2,9 Prozent ab. Die Aussichten für den weiteren Jahresverlauf sind gemäss der Umfrage der SBVg bei ihren Mitglieds­instituten optimistisch. Während nur 4,0 Prozent der befragten Banken von einem Rückgang der Beschäf­tigten ausgehen, erwarten 96,0% ein konstantes oder sogar zunehmendes Beschäftigungsniveau.

Abbildung 1

Moderates Wachstum und Stabilisierung im ersten Halbjahr 2025 Die wirtschaftliche Entwicklung blieb in der ersten Jahreshälfte 2025 moderat positiv. Der Swiss Banking Outlook erwartet für 2025 ein BIP-Wachstum von 1,2 Prozent. Die Inflation blieb niedrig und die SNB senkte ihren Leitzins auf null Prozent. Die aggregierte Bilanzsumme der Schweizer Banken blieb mit einem leichten Rückgang von 0,2 Prozent auf CHF 3’323,3 Mrd. stabil. Während Hypothekarforderungen, Finanz­anlagen und flüssige Mittel zu­nahmen, gingen die übrigen Aktivposten leicht zurück. Besonders stark nahmen die Handelsbestände in Wert­schriften und Edel­metallen ab und konnten somit die stark positive Entwicklung 2024 nicht fort­setzen. Die verwalteten Vermögen befinden sich trotz leichter Abnahme um 0,6 Prozent weiterhin auf einem sehr hohen Niveau von CHF 9’240 Mrd. Der leicht rück­läufige Trend ist vor allem auf den Rück­gang der Verpflichtungen gegenüber Kunden ohne Einlagen auf Sicht (–4,9%) sowie der Treuhandverpflichtungen (–7,7%) zurückzuführen. Gleichzeitig stiegen die Wert­schriftenbestände in Kundendepots um 0,2 Prozent, was das Verbleiben der verwalteten Vermögen auf dem hohen Niveau erklärt. Das nach wie vor hohe Niveau der verwalteten Vermögen spiegelt somit anhaltendes Vertrauen in den Bankenplatz Schweiz wieder.

Abbildung 2

Der Redaktionsschluss des Banken­barometers 2025 war am 15.8.2025.